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Art.Nr.: 6366
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Mit der Puppe auf der Flucht
Zeitzeugen aus Nordhessen und Südniedersachsen erinnern sich an die Vertreibung aus der Heimat
„Es ist seltsam. Je älter ich werde, umso deutlicher kommen die Bilder der Erinnerung", schreibt Inge Dornemann aus Fuldatal. Wie ihr ergeht es vielen, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Der Aufruf der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen (HNA), persönliche Erinnerungen an die Flucht und Vertreibung einzusenden, löste eine wahre Flut von Zuschriften aus.
Zwölf bis 14 Millionen Deutsche sollen es gewesen sein, die 1945 zum Teil unter schrecklichsten Bedingungen durch Schnee und Eis, zu Fuß, auf Pferdewagen oder per Eisenbahn in den Westen strebten. Zuweilen wurden sie von den nachruckenden Truppen überrollt, oft mussten sie für die Gräuel der eigenen Soldaten herhalten. Und mit der Ankunft am rettenden Ufer waren oft Not und Elend nicht überstanden, weil die Flüchtlinge im Westen nicht überall willkommen waren. Die meisten von ihnen waren zu dieser Zeit noch Kinder und somit unschuldige Opfer einer menschenverachtenden Politik, die ihren Anfang mit Hitlers Machtantritt 1933 genommen hatte.
Das Mitteilungsbedürfnis der Zeitzeugen in Nordhessen und Südniedersachsen ist groß. Es sind aufwühlende und aufregende Schilderungen von schlimmen Tagen und Wochen bei Kriegsende - und immer wieder kleine anrührende Beispiele von Barmherzigkeit und Hilfsbereitschaft in diesem Buch zu lesen.
Nicht Hass oder Rachegelüste sprechen aus den Erinnerungen, dafür umso mehr Trauer um die toten Angehörigen und die verlorene Heimat. So schreibt Reinhold Hinz aus Hessisch Lichtenau: „Immerzu Weihnachten kommt beim Anblick einer flammenden Kerze die Erinnerung zurück - an die Heimat, an die Schlafstube, dort, wo der Weihnachtsbaum so festlich geleuchtet hatte."
Geb., 79 Seiten, mit Abb.
Inhalt:
Vorwort: Flucht und Vertreibung
von Angelika Kleinhenz und Wolfgang Blieffert
sowie Dirk Schwarze 6
Kinder auf der Flucht
Das Baby hatte den ganzen Tag geschrieen - plötzlich war es ruhig
Inge Dornemann über den Tod ihrer kleinen Cousine 8
Mit der Puppe auf der Flucht
Giesela Heinrich über ihre Vertreibung als Zwölfjährige und die ersten Begegnungen mit russischen Soldaten 10
Auch Teddy wurde entlaust
Christa Gensheimer über einen treuen Freund 12
Zu fünft beschlossen wir zu türmen
Erhard Weigelt floh mit seinen Cousins vor dem Fronteinsatz 13
Eine Woche lebten wir von Rhabarberstängeln
Gustaf Eichbaum über die Odyssee von Berlin bis ins Münsterland 15
Razzia! Miliz! Ich merkte nicht, dass Mutti plötzlich weg war
Hildegard Weigelt über die Hilfsbereitschaft einer jüdischen Familie 17
Die Stunde Null: Enteignung und Vertreibung
Auf dem Tisch standen Knödel - doch allen war der Hunger vergangen
Josef Lassas über die tschechische Enteignung im Sudetenland 19
Es weinten die Kinder, die aus dem Schlaf gerüttelt wurden
Heinrich Schams über die Vertreibung von Hof und Gut 21
Nur der 14-Jährige war nervös vor Angst. Was würden die Russen mit ihm,
dem NS-Jugendführer tun?
Mariachristina Steiner über ihren Dienst beim DRK 23
Mit dem Viehwaggon gen Westen
Zwei Stahlhelme für die Notdurft
Ingeburg Wimmer über ihre Abschiebung in einem Güterwaggon 25
Mein Nachttopf half uns zu überleben
Karola Siebert über die eisige und lebensbedrohliche Kälte 26
„Ich klammerte mich an meine alte Puppe, die einzige,
die ich hatte mitnehmen dürfen"
Ingrid Flemming über die Flucht mit ihrer Mutter aus dem Sudetenland 27
Auf dem Schiff in die Freiheit
In den Kinderwagen lagen tote Babys
Karin Hanf über ein Drama im Sturm und eine traurige Begegnung
nach Kriegsende 29
Im Kohlenkeller eines Eisbrechers
Ursula Hackenbruch über die Fahrt nach Gotenhafen 31
Fahrt unter Beschuss
Ruth Oumard dankt der Marine 32
Wie gefährlich unsere Reise war, ahnten wir nicht einmal
Sigrid Heimann über die Flucht mit der „Hamburg" nach Berlin 33
Hunger, Tod und das Betteln
Die Brüder blieben unbeerdigt
Marianne Struß über die Vertreibung aus Danzig 35
In der Not verroht der Mensch
Klaus Friedrich über seine Flucht und Vertreibung aus Westpreußen 36
Von Vater nie mehr was gehört
Werner Dreyer über den Beschuss eines Flüchtlingszuges 38
Flucht über das zugefrorene Haff
Klaus Kairies über seinen vermissten Großvater 40
Rettung in letzter Minute
Steht auf und haut ab - neben der Schule stehen fünf russische Panzer!
Alfred Wolf über die ständige Lebensgefahr, in der die Familie schwebte 43
Sie müssen uns durchlassen, sonst können Sie uns gleich hier erschießen!
Rudolf Parr über seine Flucht über die Oderbrücke 45
Großvater rettete sich auf Puffern
Dietmar Pfütz über die Vertreibung aus dem Sudetenland 47
Mit den Babys baten Mütter um Hilfe
Michael-Olaf Maxelon über eine wundersame Rettung 48
In der Bahnhofshalle warteten wir auf unser Ende
Klaus-Dieter Ölschläger über eine glückliche Fügung 50
Die Waldohreule rettete mir das Leben
Walter Graf über einen versteckten Karabiner 52
Wenn die Not am größten, ist Gottes Hilfe am nächsten
Oswald Hofmann über die Rettung aus dem Lager Oberaltstadt 53
Sehnsucht nach der verlorenen Heimat
Wir glaubten tatsächlich, wir kommen wieder zurück
Ilse Schäfers über ihre Vertreibung aus dem Sudentenland 55
Es wäre eine fremde Welt
Hannelore Krauss über eine Brieffreundschaft in die alte Heimat 57
Es ist eben die Heimat und dort fließt die Oder
Käthe Schunder über ihre Rückkehr nach Glogau (Schlesien) 58
Frauenschicksale
Sie nahmen mit, was ihnen gefiel, leider auch Frauen
Marzella Burgstaller über die List, mit der sie den Soldaten entkamen 60
Es waren schlimme Wochen, besonders für uns junge Frauen und Mütter
Anny Geisler über den grausamen Alltag in den russisch besetzten Gebieten ...63
Im Viehwaggon nach Westen
Ingeborg Rathing über ihre Todesangst als 13-Jährige 65
Schließlich forderte er meine Mutter auf, mit ihm in den ersten Stock zu gehen Werner Hirsch über die Flucht seiner Mutter vor den Soldaten 67
Es sträubt sich die Feder
Irmgard Menschner über das Überleben in der besetzten Heimat 69
Lasst Blumen sprechen in Freud und Leid - aber sie gaben keine Antwort Elisabeth Omonsky über die Vertreibung aus Schlesien 70
Ein neuer Anfang in der Fremde
Das sind ja Heimatvertriebene, die haben ja nichts!
Gertraud Reich über ihren Neuanfang in Niedersachsen 72
Fremde im Dorf
Die Erlebnisse der Rosina Neubauer (aufgezeichnet von Hans Kohl) 74
Das Werk der Ahnen blieb zurück
Katharina Mock über die Vertreibung aus dem Dorf Futak (Jugoslawien) 76
Weihnachten
Weihnachtskerzen erinnern jedes Jahr an die verlorene Heimat
Reinhold Hinz über den Heiligabend 1944 78