Alfred de Zayas
Völkermord als Staatsgeheimnis
Vom Wissen über die „Endlösung der Judenfrage“ im Dritten Reich
Der Massenmord an den Juden war ein ungeheures Verbrechen und gilt immer noch als historisches Ereignis von einzigartiger Tragweite. Bereits mit den Nürnberger Prozessen begann die wissenschaftliche Auseinandersetzung, jedoch erweist sich die Erforschung mancher Teilgebiete als unzulänglich. Es bleiben nach wie vor wesentliche Lücken und Fragen, die nicht gestellt, oberflächlich behandelt oder willkürlich interpretiert werden. Vor allem aber bleiben die entscheidenden Fragen: Was hat der Durchschnittsdeutsche, der Beamte, der Soldat über den Holocaust erfahren, wann und wie viel?
Der amerikanische Historiker und Völkerrechtler Alfred de Zayas identifiziert in diesem Buch die Rolle der Geheimhaltung im Dritten Reich, insbesondere des Führerbefehls Nr. 1 vom 11. Januar 1940 als entscheidend für die Durchführung des Völkermordes. In jüngster Zeit wird
von einigen Historikern behauptet, dass der Holocaust ein offenes Geheimnis gewesen sei.
Den Beweis haben sie nicht erbracht, denn Mosaiksteine – Gerüchte, Feldpostbriefe, Auslandssender – sind kein Wissen. Mit Verallgemeinerungen und Pauschalurteilen wird indes die Kollektivschuldthese gestützt, die stets eine ernste Verletzung der Menschenrechte darstellt.
Der Autor würdigt nicht zuletzt auch die Motive der Mitglieder des deutschen Widerstandes, die in vielen Fällen wegen ihres Teilwissens über den Holocaust den Staatsstreich wagten. Dieses Buch ist das Ergebnis von mehr als 35 Jahren Forschung in amerikanischen, britischen, deutschen und schweizerischen Archiven sowie Hunderten von Interviews mit Zeitzeugen. De Zayas setzt sich mit den Forschungsergebnissen anderer Wissenschaftler bis Ende 2010 kritisch auseinander.
Geb., 208 Seiten
Über den Autor:
Der US-Amerikaner Alfred de Zayas ist promovierter Völkerrechtler (Harvard) und Historiker (Göttingen). Er leitete eine »Arbeitsgruppe Kriegsvölkerrecht« am Institut für Völkerrecht der Universität Göttingen, die von der DFG getragen wurde, war Mitarbeiter am Max- Planck-Institut für Völkerrecht (Heidelberg) und hoher UN-Beamter.
Bis zu seiner Pensionierung war er Chef der Petitionsabteilung im Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Genf; z. Zt. ist er
Professor für Völkerrecht an der Geneva School of Diplomacy. De Zayas ist Autor von 7 Büchern, u. a.: Die Nemesis von Potsdam (14. erw. Auflage); Die Wehrmacht-Untersuchungsstelle für Verletzungen des Völkerrechts (7. erw. Auflage) und United Nations Human Rights Committee Case Law 1977–2008.