Mit unerschöpflicher Energie und voller Lebenserwartung ließ ich mich aus freiem Willen aus dem Westen Deutschlands mit viel Optimismus und Vertrauen in die Zukunft in meine Heimatstadt Posen entlassen. Mit ordentlichen Dokumenten aus der englischen Gefangenschaft und mit schönklingenden Versprechungen der polnischen Agenten (Polski Urzad Repatriacyjny= Polnische Behörde der Heimkehrer), die in unserem Camp junge Menschen aus ehemaligen deutschen Ostgebieten für die Heimkehr warben. Freie Heimfahrt, sowie späterer freier Schulgang und Berufswahl usw. wurde garantiert. Die einzige Voraussetzung war (so hieß es), Geburtsort in den ehemaligen Ostgebieten und dort weiterhin lebende Anverwandte, ob noch Angehörige am Leben waren, wußte ich zwar nicht, aber die Rückkehr wurde trotzdem möglich gemacht. Hunderte von Ostdeutschen (Volksdeutschen) aus Polen, der Tschechoslowakei, Ukraine usw haben sich in dieser Zeit aus der englischen Gefangenschaft für die Entlassung und Heimkehr entschlossen. Wir wurden in Stettin in einem Heimkehrerlager das PUR hieß, einquartiert, aber kaum betreut und erstmal alle deutschstämmigen Personen separiert und mehrere Tage lang von der Miliz und anderen Politruks in Zivil gründlich verhört sowie angeklagt, z.B. wurden nach einigen Tagen die gleichen Fragen gestellt, um festzustellen ob man die Wahrheit sagte. Es wurde gesagt, daß nicht alle den Voraussetzungen entsprachen, doch was mit diesen Leuten geschah, haben wir uns keine Gedanken machen können. Es wurde zwar geraunt, daß in einem Abschnitt des Lagers manche Schikanen und Grausamkeiten ausgeübt wurden, und daß Leute "abgeschoben" wurden, wohin, wurde nicht gesagt. Da meine Muttersprache polnisch ist, habe ich anscheinend Vertrauen erweckt und wurde zu einem Poznaniak (Posener) gestempelt. In den ganzen Schlamassel bin ich hineingeraten wegen meiner angeborenen Vertrauensseligkeit gegenüber meinen Mitmenschen und einem anerzogenen Zutrauen zu Behörden und Vorgesetzten.
Mit meinem Vertrauen in die Zukunft und den gegebenen Versprechen konnte ich nicht ahnen, daß ich drei Jahre später eine lebensgefährliche Flucht auf mich nehmen würde…
Aus dem Inhalt:
KAPITEL
Erklärungen
Vonvort
Einleitung
Ins Wespennest
Das Leben ist ein Würfelspiel
Strafarbeit mit Ausgehverbot
Als der Frühling kam
Ein kleiner Schimmer Hoffnung
Nach Regen scheint Sonne
Aus der Mansarde in die Kleinwohnung
Unser erstrebter Schulgang....
Das Erntedankfest eingestellt
Erstmal eingestellt, dann ein Fest...
Die Grenzvölker, schon immer "in der Klemme"
Das Sommerdorffest des Jahres
Der letzte Herbst bei Fuchs
Das Jahr der Erwartungen 1947
Unsere große Angeltour....
Zwei Fliegen auf einen Streich
Das letzte Jahr in meiner Heimat
Der große Entschluß
Die Abschiedsfeier in Owinska
Die letzten Stunden in meiner Heimatstadt
Der Beginn meiner Flucht
Nur mit Gottes Hilfe kann es gelingen
Lebend begraben
Die schlimmste Nacht meiner Flucht
Meine ersehnte Rettung
Nachwort
Dank
Kart., 242 Seiten